Champion Nicola Hugi

Murmel-Champions massen sich in Altstetten
Artikel vom Tagesanzeiger 13.04.08

Im Letzipark fand am Samstag die erste Schweizer Sandmurmel-Meisterschaft statt. Obwohl der Sport hier zu Lande völlig unbekannt ist, kam Spannung auf.







Nicola Hugi (r./mit Mütze) holte im Letzipark den Schweizer Meistertitel im Sandmurmel-Spiel.

Der 13-jährige Nicola Hugi aus Ipsach holte sich im Letzipark den Schweizer Meistertitel im Sandmurmel-Spiel. Genau, mit den farbigen Glaskugeln kann man auch Wettkämpfe gewinnen. Hugi gewann am Samstag 500 Franken Preisgeld und eine Reise zu den Weltmeisterschaften in Frankreich.

Von dort stammt das Spiel, in dem es darum geht, eine Murmel in möglichst wenig Versuchen über einen Sandparcours mit Hindernissen zu bugsieren. Seit über 25 Jahren spielen es die Franzosen. In seiner Heimat sei es sehr populär, versicherte Jacky Vernoux von Mondial Billes, dem Verband der französischen Sandmurmel-Spieler. Man treffe sich am Strand, auf Dorfplätzen oder eben in Einkaufszentren zum gemeinsamen Murmeln.

In der Schweiz brauchte es Marketingfachleute, um das Spiel zum Leben zu erwecken. Coop holte das Murmeln in Zusammenarbeit mit Mondial Billes ins Land. In zwölf grossen Einkaufszentren gingen Turniere über den Sand, die jeweiligen Gewinner durften für den Final nach Zürich reisen. Die meisten von ihnen machten eher zufällig an den Turnieren mit. «Natürlich hab ich als Kind mit Murmeln gespielt. Aber in dieser Form hab ich es nicht gekannt», sagte Markus Simmler, der die Letzipark-Ausscheidung gewann und im gesponserten blauen T-Shirt über den Kugeln kniete. Wie Simmler hat der Grossteil der Finalisten nicht viel oder gar nicht trainiert. Das schlägt aufs Niveau. «An den Weltmeisterschaften kann Nicola so nicht viel ausrichten», sagte Jacky Vernoux.

Mit der Mutter nach Zürich gereist

Um die Murmel durch Verengungen, Steilkurven und über Gräben zu spicken, braucht es vor allem eine ruhige Hand. Der Parcours, den vier Franzosen aus nassem Sand präpariert hatten, war der schwierigste der ganzen Turnierreihe. Oft nützte alles Polieren der Glaskugel nichts. Manche Finalisten klatschten entnervt in die Hände, wenn sie die Murmel wieder über die Bahn hinaus geschleudert hatten. Wohl weil das Murmeln in der Schweiz zu den jungen Sportarten gehört, war das Teilnehmerfeld gut durchmischt. Es machten ein 82-jähriger Rentner, ein 10-jähriger Primarschüler und ein 40-jähriger Staudammbauer mit. Nur Frauen suchte man vergeblich.

Den Kampf um den Sieg trug Nicola Hugi mit dem 40-jährigen Maurizio Belloti aus. Die beiden hatten sich schnell vom Feld abgesetzt. Nun ging es darum, wer als erster von ihnen durch das Tor am oberen Ende eines Steilhanges traf. Nach mehreren missglückten Versuchen gelang es Nicola. «Ich war nervös. Aber mein Bruder hat mir gesagt, ich soll nach rechts zielen, weil der Abhang etwas schräg war», sagte der Knabe mit der Baseballkappe. Er war mit seiner Mutter nach Zürich gereist.

Der Anlass im Letzipark wirkte etwas aufgesetzt. «Welchen Schweizer Meister küren sie wohl nächste Woche?», fragte sich ein Zuschauer. Auch das Publikum, das aus Angehörigen der Spieler und vorbeiflanierenden Shoppern bestand, verhielt sich zu Beginn ruhig. Weder die Anfeuerungsrufe der Moderatorin noch ein Interview mit Skifahrer Marc Berthod brachten es in Stimmung. Erst mit dem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hugi und Belloti wurde es spannend. Das Shoppingpublikum reagierte mit Anfeuerungsrufen, Enttäuschungs-Neins und Siegesjubel.

TOLL NICOLA!!!

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